Wanderreiter & Corona

„Uns schlägt eine großartige Welle der Solidarität entgegen.“

Victor Hucke Wanderreitbetrieb

Victor Hucke betreibt auf der Azoren-Insel Faial einen Wanderreitbetrieb. In unserer kleinen Serie zum Thema erzählt er, wie das Corona-Virus seinen Alltag verändert hat, wie er mit der aktuellen Situation umgeht und was ihm jetzt am meisten hilft.

Aktuell ist von unseren 15.000 Inselbewohnern einer an COVID-19 erkrankt. Die Azoreanische Regierung hat anscheinend gerade noch rechtzeitig alle Flug-und Seehäfen geschlossen und so eine weitere Verbreitung des Virus durch Einreisende gestoppt.

Seit ca. zwei Wochen werden wir mit massiven Stornierungswellen konfrontiert. Umsätze machen wir derzeit keine mehr. Als touristischer Betrieb ist unser Cash Flow nach der Winter-Saison natürlich ohnehin gering. Deshalb müssen wir jetzt schnell reagieren, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Sollte das komplette Geschäft der Hochsaison zum Erliegen kommen, liegt eine Durststrecke von nahezu zwölf Monaten vor uns.

Bisher gibt es bei uns zum Glück keinerlei Beschränkung beim ausreiten. Zwei verbliebene Guides bewegen unsere Pferde nun täglich, um ihre physische Kondition zu erhalten. Einige Pferde konnten wir bei Freunden unterbringen, die sich nun um sie kümmern. Viele Menschen stellen uns solidarisch Weiden und sogar große Gärten zur Verfügung, um unsere Pferde zu versorgen. Auch die große Welle der Solidarität, die uns von Kund*innen entgegenschlägt, finden wir großartig und hoffen, dass diese fortgesetzt wird. Gebuchte und bereits bezahlte Reisen werden von unseren Gästen ohne große Diskussion auf später im Jahr geschoben. Viele Gäste sind auch bereit, Patenschaften für Pferde zu übernehmen, um uns finanziell zu helfen. Und auch unsere Follower-Zahlen in den sozialen Medien steigen unaufhaltsam.

Bereits vor drei Wochen haben wir ein umfassendes Krisenmanagement gestartet. Ein wesentlicher Punkt ist dabei die möglichst große Kostenreduzierung zum Erhalt von Arbeitsplätzen und zur Versorgung unserer Pferde. Alle Kosten werden auf den Prüfstand gestellt und auf alles, was nicht unbedingt lebensnotwendig ist, wird verzichtet. Leider mussten wir alle befristeten Arbeitsverträge und Verträge mit internationalen Guides aufheben. Derzeit arbeitet bei uns nur noch ein kleines Kernteam solidarisch für Kost und Logis. Wir sind froh, dass alle, die wir vorerst nach Hause schicken mussten, sofort wieder zu uns kommen möchten, wenn sich die Krise abschwächen.

Viel Zeit investieren wir in Marketing-Maßnahmen, um bei unserer Zielgruppe nicht in Vergessenheit zu geraten. So produzieren wir auf Facebook und YouTube kleine Videos, die das Leben von uns auf der Insel zeigen. Auch halten wir intensiven Kontakt mit all unseren Pferdereise-Agenturen weltweit und stimmen uns eng über die weitere Vorgehensweise miteinander ab.

Für viele Länder wünsche ich mir, dass die ultrarechten und linken, laut krakelenden Parteien keine Bedeutung mehr haben. Sie haben mit Rezepten in dieser Krise gnadenlos versagt. Auch auf den Azoren brauchen wir Macher, Manager und Menschen, die führen können und verantwortliche Maßnahmen initiieren. Auch sollte die Politik nicht gnadenlos diskutieren. Entscheidungen müssen schnell und unbürokratisch gefällt werden.

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