Auf Tour Neuseeland

Pferde-Trekking auf der anderen Seite der Erde

John Wall ist ein echter Kiwi und passionierter Pferdemensch in der 4. Generation, sein Ururgroßvater war der erste Fuhrunternehmer in der Region. Seine Lebensgefährtin Angie Leckey kam vor 14 Jahren aus Liverpool England nach Neu Seeland und hat diesen Schritt nach eigener Aussage noch keinen einzigen Tag bereut. Die beiden leben mit über 40 Pferden in den Hunting Hills bei Waimate in der Provinz South Canterbury auf der Südinsel Neuseelands und bieten mehrtägige Wanderritte sowie Tagestouren in spektakulärer Kulisse an. Die Pferde sind alle selbst gezogen – gutmütige, ruhige und trittsichere Lastträger mit 1,70 und mehr Stockmaß. Keine eigentliche Rasse, aber eine bewährte und sehr gelungene Mischung aus Draft Horse, Hunter und Englischem Vollblut.

Text und Fotos: Andreas Baumann

Am 2. März fahren wir mit zehn Pferden und einer Teilnehmerschar aus fünf Nationen los. Die ca. zweistündige Fahrt führt durch wunderschöne Landschaft, zunächst am Waitaki River entlang ins Mackenzie-Becken. Unser Startpunkt liegt hinter der kleinen Ortschaft Omarama kurz vor dem Lindis-Pass.

Es herrscht „T-Shirt Wetter“ mit ca. 25 °C , als wir unsere sieben Reit- und drei Packpferde satteln und dann mit unserem Anstieg zum Old Man Peak beginnen. Es zeigt sich schnell, warum man in Neuseeland immer mit „for saisons on a day“ rechnen sollte, vor allem hier im Hochland  der Südinsel. Die Temperaturen sinken mit zunehmender Höhe rapide und ich lege mir alle 100 Höhenmeter eine weitere Kleidungsschicht zu. Vom Gipfel auf knapp 1.900 Meter kann man bei guter Fernsicht den Aoraki oder Mount Cook sehen. Das ist uns heute leider nicht vergönnt, dennoch ist die Aussicht grandios. Der Abstieg bringt uns am Abend zu einer einfachen Schäferhütte namens „Fat Mans Lodge“. Außer ein paar Merino-Schafen – weltberühmt für ihre einzigartige Wolle – begegnet uns weiter nichts hier oben.

Unsere Köchin Thelma Emslie verwöhnt uns mit außergewöhnlich gutem Essen, unter anderem bestehend aus selbsterlegtem Wild. Sie und ihr Lebensgefährte Norman Sinclair, ein landesweit bekannter Maler und Country-Musiker, fahren das Begleitfahrzeug und kümmern sich rührend um uns. Nach einer Nacht in einem einfachen Sleepout dann die Überraschung – Schnee! Wir sind schnell wieder im Sattel und folgen in den nächsten sieben bis acht Stunden einem kleinen Flusslauf durch die spektakuläre und unberührte Tussock-Gras-Steppe der Dunstans. Norman hat die Flussdurchquerungen gezählt – es sind 24.

Am späten Nachmittag erreichen wir hundemüde aber zufrieden den kleinen Ort St. Bathans. Ende des 19. Jahrhunderts, während des kurzen Goldrausch, eine florierende Boom Town. Das Deadwood Neuseelands wirkt heute etwas aus der Zeit gefallen. Man zählt offiziell noch sieben Einwohner und einzige Attraktion ist das Vulcan-Hotel, angeblich der älteste Pub des Landes. Nach einem verdienten Absacker übernachten wir – diesmal recht komfortabel – in einem sehr schönen viktorianischen Gästehaus.

Nach dem Frühstück verlässt uns ein Teil unserer Mit(st)reiter. Haylie Guinn muss zurück nach Kanada, sie betreibt in Alberta am Rande des Banff Nationalparks eine Guest Ranch mit mehr als 90 Pferden. Die nächsten beiden Tage sind wir daher nur zu dritt mit zehn  Pferden unterwegs, d. h. jeder von uns hat noch mindestens zwei Handpferde. Das geht aber besser als ich zunächst denke und auch der Rückweg erscheint kürzer, zumal wir recht zügig vorankommen.

Die letzte Nacht verbringen wir wieder in einer einfachen Schäferhütte. Erstaunlich wie wenig Komfort man nach acht Stunden im Sattel bereits als puren Luxus empfindet. Die primitive Hütte ist immerhin warm und trocken. Thelma bekocht uns und John und Norman unterhalten einen besser als jede Doku Soap. Tatsächlich könnte man das sofort auf Sendung bringen, allerdings erst nach 22:00 Uhr, denn so manches ist nicht ganz jugendfrei aber eben echt lustig.

Den Rest der Strecke bringen wir am nächsten Tag hinter uns. Unsere Pferde sind noch immer in erstaunlich guter Verfassung – keinerlei Ermüdungserscheinungen, auch ohne Kraftfutter und Leckerli. Überhaupt haben diese Tiere unglaublich viel Persönlichkeit, sind kooperativ und immer bei der Sache. Den letzten Anstieg über den Lone-Mans-Pass erledigen sie wieder mit Bravour und unsere Handpferde haben sogar noch die Energie zu ausgedehnten Galoppaden als wir sie vor Erreichen unseres Trailheads frei laufen lassen.

Die Reittouren mit Adventure Horse Trekking N.Z. sind ein absoluter Top-Tipp für ambitionierte und sattelfeste Reiter, die das echte Neuseeland jenseits der ausgelatschten Touristenpfade mit absolut originellen und authentischen Menschen erleben möchten.

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