Frau zieht Pferd Hufschuhe an
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Barhuf ins Gelände: Hufschuhe, der alternative Hufschutz auch für Wanderreitpferde

Immer mehr Pferdebesitzer wünschen sich einen möglichst artgerechten und natürlichen Umgang mit ihrem Pferd. Dazu gehört nicht nur die Haltung, sondern auch das Training und die Ausrüstung. Wir haben mit Armin Eberle, Huforthopäde und Entwickler des Hufschuhs „Swiss Galoppers“ über die Vor- und Nachteile artgerechter Alternativen zum Hufbeschlag gesprochen.

Herr Eberle, wie kommt ein Huforthopäde aus der Schweiz dazu, einen Hufschuh zu entwickeln? Gibt es nicht schon genug Produkte auf dem Markt?

Als Huforthopäde beschäftige ich mich seit über 15 Jahren mit Hufschuhen, sowohl beruflich als auch privat. Der traditionelle Eisenbeschlag schränkt den Hufmechanismus, d. h. die Stoßdämpfung und die Blutzirkulation im Huf ein, das ist erwiesen. Meine Frau und ich haben unsere Pferde bei uns zu Hause im Offenstall direkt am Haus. Es liegt uns sehr am Herzen, dass unsere Pferde gesund sind und so gehalten werden, dass sie sich ihrer Natur entsprechend verhalten und bewegen können. Natürlich gibt es Fälle, bei denen ein Beschlag notwendig ist, aber uns ist es wichtig, dass unsere Pferde nach Möglichkeit barhuf gehalten werden. Gerade in der Schweiz ist das Reiten im Gelände ohne Hufschutz jedoch aufgrund der Bodenstrukturen so gut wie unmöglich. Da bieten sich Hufschuhe als Schutz an, denn sie beugen zu viel Abrieb auf Asphalt und fühligem Laufen auf unebenen und steinigen Böden vor. Der große Vorteil: Sie schonen den Huf in Belastungsspitzen und werden nur bei ungünstigen Bodenverhältnissen und längeren Ausritten oder Wanderritten benutzt.

Ich bin allerdings nicht nur in meinem Beruf, sondern auch bei unseren eigenen Pferden, die alle komplett unterschiedliche Huftypen haben, immer wieder in die Situation geraten, keinen passenden Hufschuh zu finden. Größe, Form und Winkel haben oft nicht gepasst. Zu häufig konnten wir keinen passenden Schuh finden, die Schuhe haben sich gedreht oder wir haben sie verloren. So ist innerhalb der Familie die Idee entstanden, selbst einen Hufschuh zu entwickeln – und wir haben die Ärmel hochgekrempelt.

Huforthopäde aus der Schweiz
Der Schweizer Huforthopäde Armin Eberle hat zusammen mit seiner Familie den Hufschuh „Swiss Galoppers“ entwickelt.

Was macht den Swiss Galoppers aus?

Verstehen Sie mich nicht falsch, es gibt gute Hufschuhe auf dem Markt. Oft ist das an- und ausziehen allerdings zeitintensiv und etwas umständlich. Auch die Passform des Schuhs ist oft ein Problem. Wir wollten einen Hufschuh entwickeln, der durch seine Einfachheit überzeugt, dem Huf einen optimalen Komfort bietet, eine abriebfeste, dynamische Sohle hat und nutzerfreundlich ist. Außerdem sollte der Schuh eine große Spanne an Huftypen abdecken, kleine wie große Hufe, asymmetrische Hufe etc.

Der Swiss Galoppers ist ein Hartschalenschuh, der über einen Klettverschluss befestigt wird. Er hat eine flexible, gelenkschonende, stoßdämpfende, drehende Innensohle mit einer ergonomischen Polsterung, die Ballen und Fesseln schützt. Wir haben uns für ein extrem abrieb- und rutschfestes Sohlenprofil entschieden, das eine Lebenszeit des Schuhs von rund 2.000 km ermöglicht. Pferd und Reiter sollen unbeschwerte Stunden in der Natur vollends genießen können.

Haben Sie den Swiss Galoppers ganz alleine entwickelt?

Ein solches Projekt braucht ein starkes Team. Im Frühjahr 2014 haben wir im Familienverband zusammen mit meiner Frau, meinen Schwiegereltern und meinem Schwager die Swiss Galoppers GmbH gegründet, mit dem Ziel, eine neue Generation von Hufschuhen zu entwickeln. Seitdem hat sich viel getan. Inzwischen sind wir mit sechs Größen im Handel vertreten, jeweils in der Standard Version und in der L-Version.

Im Jahr 2018 ist unser Schuhproduzent als Investor mit eingestiegen. Wir sind wirklich stolz, in der Schweiz zu produzieren. In den letzten Jahren sind wir von einem Start-Up zu einem Unternehmen herangewachsen. Es gab natürlich kleine Stolpersteine, das gehört dazu, aber wir sind auf einem guten Weg. Der Erfolg gibt uns Recht, wir bekommen mehr und mehr internationale Anfragen und der Swiss Galloppers wird ab 2021 auch auf dem amerikanischen Markt erhältlich sein.

Frau bei Hufschuhanprobe
Die Hufschuhe sollten vor einem Wanderritt getestet werden.

Welche Anforderungen müssen Hufschuhe erfüllen, um für lange Ausritte und Wanderritte geeignet zu sein?

Hufschuhe sollten fest sitzen und auch unter anspruchsvollen Bedingungen, beim querfeldein reiten oder in steilem Gelände nicht verrutschen. Ein guter Hufschuh sollte außerdem Regen und Matsch und auch einem Galopp standhalten. Ein wichtiger Punkt bei der Passform ist zudem, dass die Schuhe nicht scheuern.

Zum Wanderreiten sollten die Schuhe robust und aus einem langlebigen Material sein. Ein Material, welches sich zu sehr mit Wasser aufsaugt und kaum trocknet, ist weniger geeignet. Die Hufschuhe sollten zudem möglichst wenig Verschleißteile haben, und diese sollten, falls notwendig, einfach auszutauschen sein. Ideal ist noch ein weicheres Sohlenmaterial, welches die Tritte über Stock und Stein etwas abfedert.

Vor einem Wanderritt sollten neue Hufschuhe “eingeritten” werden und sich beweisen: kein drehen, kein verlieren, keine Scheuerstellen. Grundsätzlich gilt: Die Schuhe sollten nach jedem Ritt immer gereinigt werden und in Reitpausen wenn möglich wieder trocknen. Hier ist es wichtig, Zubehör wie z. B. Gaiter (Ballenschalen) im Doppelpack dabei zu haben, damit man im Zweifelsfall auch mal trockene einmontieren kann. Selbstverständlich gehört bei einem Wanderritt je nach Schuhmodell auch Ersatzmaterial an Verschlussbändern, Verschlussklammern und Riemchen ins Gepäck.

Es gibt viele (Wander)Reiter, deren Pferde traditionell mit Eisen beschlagen sind. Wie kompliziert ist die Umstellung vom Eisenbeschlag auf barhuf?

Die Umstellung von Eisen auf barhuf ist unkompliziert und verläuft in der Regel unproblematisch. Dennoch sollte die Umstellung überlegt und mit etwas Vorlauf geplant werden. Denn nicht jedes Pferd fühlt sich ohne den gewohnten Beschlag gleich wohl. Wichtig ist daher, dass man das Pferd nach Abnahme der Eisen in den ersten zwei bis drei Wochen nicht reitet und auch nicht intensiv bewegt. Es soll sich zuerst an die neue Situation gewöhnen können. Danach kann man Schritt für Schritt wieder mit reiten beginnen – mit Hufschuhen, versteht sich. Während der Umstellung sollten einige Faktoren beachtet werden: So sollte in Offenstallhaltung die Rangordnung des Pferdes beachtet werden. Rangniedrige Pferde haben z. B. unfreiwilligerweise häufig längere Laufwege. Wer vorher einen Hufschmied hatte, der sich ausschließlich um beschlagene Pferde kümmert, braucht nun  einen Hufpfleger oder Huforthopäden. Auch die Hufe von Barhufpferden sollten alle sechs bis sieben Wochen fachmännisch bearbeitet werden.

  • Produktbild Swiss Galoppers
  • Unterseite Hufschuh
  • ergonomische Polsterung
  • Hufschuh von innen
  • Hufschuh von oben

Wie finde ich heraus, welcher Hufschuh am besten für mein Pferd geeignet ist?

Am besten lässt man sich diesbezüglich von einer Fachperson beraten.  Wir bieten auch die Möglichkeit, Hufschuhe auszuleihen, mit diesen ein paar Tage zu reiten, sie zu testen und so herauszufinden, welches Modell für Sie und Ihr Pferd in Frage kommt. Ganz wichtig ist es, die Schuhe so zu testen, wie man sie im Anschluss auch verwendet. Es nützt wenig, wenn neue Hufschuhe nur im Schritt ausprobiert werden, beim Ausritt aber regelmäßig über Felder galoppiert wird. Auch muss man sich bewusst sein, dass sich die Hufform nach der Umstellung noch während einiger Bearbeitungsintervalle leicht verändern kann und daher das erste Paar Hufschuhe nach kurzer Zeit nicht mehr passen könnte. Für die Überbrückung können Mietschuhe gute Dienste leisten. Auch wenn für manchen Pferdebesitzer die Umstellung auf Barhuf als Durststrecke empfunden wird, so sollte man sich immer wieder die Vorteile fürs Pferd in Erinnerung rufen. Mit der Barhufhaltung kann vielen Pferden eine naturnähere und gesündere Haltung ermöglicht werden!

Über Swiss Galoppers

Der Swiss Galoppers Hufschuh wurde vom Fachspezialisten Armin Eberle entwickelt. Der ausgebildete Huforthopäde und Besitzer von drei Pferden, die er in Offenstallhaltung hält, bringt er mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung im Umgang mit Pferden und deren Hufen mit sich. Armin Eberle kennt die Probleme, die beim unsachgemäßen Umgang oder durch den Eisenbeschlag am Huf auftreten können und weiß als Reiter, wie praktisch und langlebig ein Hufschuh sein muss, damit er Reiter und Pferd gleichermaßen begeistert. Die Swiss Galoppers GmbH mit Sitz in Weiningen/Zürich wurde 2014 gegründet und stellt ein Fach-Team von fünf Mitarbeiter*innen.

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